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Paris Saint-Qatar

2006 haben sie es erfolglos versucht. Katar wollte schon im Jahr der WM in Deutschland den Paris Saint-Germain kaufen. Die Gründe konnte der neue Besitzer des PSG dem französischen Fachmagazin ,,L‘Equipe“ nicht nennen, weil er damals noch nicht mitwirken konnte. Damals bekam Colony Capital, eine internationale Investement-Firma den Vorzug vor den Katari.

Nun hat es endlich geklappt. QSI (Qatar Sports Investements) hat 70% der Aktien vom vorigen Mehrheitsbesitzer Colony Capital abgekauft. Der Gesamt-Preis dieser Transaktion wurde nicht preisgegeben, Experten schätzen ihn aber auf mehr als 10 Millionen Euro, was vergleichsweise weng ist.

Doch es gibt noch unglaublich viele Fragen, die noch nicht geklärt wurden. Ich möchte einige von diesen Fragen vorstellen und beantworten.

Wer steht an der Spitze dieses Übernahme?

Die Übernahme des PSG durch die QSI wurde schon seit ein, zwei Jahren intensiv vorbereitet. Doch nicht nur QSI, sondern auch Al-Jazeera Sport spielte eine wichtige Rolle. Schließlich haben beide Unternehmen den gleichen Präsidenten, Nasser Al-Khelaifi. Al-Jazeera Sport hat die internationalen Rechte der Ligue 1 für 195 Millionen Euro gekauft. Bis zur Saison 2017/2018, also 6 Jahre lang, wird Al-Jazeera nun die Ligue 1 ausstrahlen. Hinzu kommt noch, dass AJS sich für 90 Millionen Euro pro Jahr (nur bis 2016) die Live-Übertragung von zwei Spielen je Spieltag geleistet hat.

Doch wer ist dieser Nasser Al-Khelaifi, der diesen Mega-Deal für den französischen Fussball und den PSG eingeleitet und vollstreckt hat? Nasser gehört nicht zur katarischen Königsfamilie, ist aber immerhin der Vertraute des aktuellen Kronprinzens, Scheich Tamim Bin Hamad Al-Thani. Zusammen haben beide Männer ihre Nation vor einigen Jahren beim Davis Cup vertreten. Nicht sehr erfolgreich, aber immerhin hat Nasser es bis auf den 995. Platz der Tennis-Weltrangliste geschafft. Nach seiner aktiven Karriere bekam er eine Position bei Al-Jazeera Sport angeboten. Dankbar nahm er an und und als Verantwortlicher der Verhandlungen bei AJS gelang es ihm 2003 die Rechte für die Primera Division zu kaufen. 2006 kletterte er auf der Karriereleiter noch weiter nach oben und wurde zum Generaldirektor des Sportsenders ernannt. Nasser wird als sehr passionierter und wissbegieriger Geschäftsmann beschrieben, der nichts dem Zufall überlässt und so Al-Jazeera zum Branchenführer des TV-Sports gemacht hat.

Nun hat er mithilfe ,,seiner“ zwei Firmen den Traditionsklub aus Frankreichs Hauptstadt übernommen…

Warum der PSG? Warum Frankreich?

Katar ist ein Land, das sehr abhängig vom Ölpreis abhängig ist. Während des Öl-Schocks im Jahre 2008 als der Preis pro Fass auf 145 US-Dollar stieg, wurden sich die Katarer bewusst, dass man sich langsam aber sicher nach rentablen Alternativen umschauen sollte. Also investierte man in große Firmen aber auch in den Sport. Sie investierten vor allem in den Fussball, weil dies die Sportart Nummer 1 der Welt ist. Wäre Schach die beliebteste Sportart der Welt, hätten die Katari in Schach investiert.

Es ist anzunehmen, dass Nasser Al-Khelaifi lieber einen Verein aus der Premier League oder Primera Division übernommen hätte, allerdings wird in Katar schnell eine ,,amerikanische“ Vorgehensweise angeprangert. Die Menschen wollen einfach nicht amerikanisiert werden, was sicherlich mit ihrer Religion, dem Islam zu tun hat. Da Frankreich sich in vielen Punkten drastisch von den USA unterscheidet, hat man sich für das Land des Camemberts entschieden. Schließlich leben auch viele arabische Immigranten in Frankreich, was auch ein Ausschlag gebender Punkt für dieses Unterfangen war.

Doch auch das Geld spielte eine große Rolle. Da Frankreich nicht gerade die attraktivste europäische Liga ist, sind die Klubs nicht zu teuer. Und gerade wegen der Unattraktivität der Ligue 1 im Vergleich zu anderen Ligen wie der Bundesliga oder Premier League, ist der mediale Aufschrei im Falle eines Scheitern nicht so groß.

Man kann das Projekt PSG+Katar also als ein Experiment ansehen, bei dem die Katarer ihre neue Strategie ausprobieren. Diese Strategie besteht darin Prestige zu gewinnen. Ihnen geht es nur ums Image, nicht um die Rentabilität. Schließlich muss dieses dringend aufpoliert werden, nach dem FIFA-Skandal rund um die WM-Verlosung.

Welche Auswirkungen hat dieser Kauf der Fernsehrechte und des PSG auf den französischen Fussball?

Die enorme Summe von insgesamt 555 Millionen Euro an TV-Geldern wird dem gesamten französischen Fussball weiterhelfen. Schließlich wird ein Teil der Fernseh-Gelder an alle Profiklubs der Ligue 1 ausgeschüttet, die mit den Mehreinnahmen im Vergleich zu den vorigen Jahren bessere Spieler in Frankreichs Elite-Liga locken und so die Attraktivität steigern können.

Doch Experten können schon Gemeinsamkeiten zwischen dem Kauf der Fernsehrechte Anfang der 90er Jahre durch Canal+ und dem Kauf druch Al-Jazeera erkennen. Damals, in den 90er Jahren kaufte Canal+ nicht nur die Fernsehrechte, sondern auch den PSG. Dies läutete die Goldene Ära der Pariser ein. Doch nicht nur die Hauptstädter gewannen damals sehr viele Trophäen, sondern auch der Rest des französischen Fussballs profitierte von Canal+. Marseille gewann 1993 die Champions League, PSG erreichte mehrere Male die Halbfinals und Finals des UEFA-Cups sowohl auch der Champions League und 1998 gewann Frankreich mit einem überragenden Zinedine Zidane die Weltmeisterschaft im eigenen Land. All diese Erfolge resultieren aus den Käufen von Canal+ und deshalb glauben nun viele an eine ähnlich erfolgreiche Ära des französischen Fussballs.

Wer soll dem neuen PSG weiterhelfen?

Als Sportdirektor und starken Mann haben sich die Katari für Leonardo entschieden. Diese Wahl fiel alles andere als zufällig aus. Leonardo spricht 5 Sprachen (französisch, englisch, italieniesch, portugiesisch und japanisch), besitzt dank seiner großen Karriere sehr viele Kontakte in allen Teilen der Welt. Außerdem spielte er schon 1996/1997 ein Jahr lang in Paris und machte nie einen Hehl daraus, dass er gerne zurückkehren wollte. Allerdings hatte er nach seinen 2 Jahren in Mailand keine Lust mehr aufs Trainer-Sein. Er wollte noch nie ein Trainer sein, hat diese Jobs aber wegen der wertvollen Erfahrungen in diesem Bereich angenommen. Leonardo ergänzt den neuen Besitzer eigentlich perfekt. Beide sind Perfektionisten, wissbegierig und fleißig. Beide möchten den PSG zu einem der besten Klubs Europas formen und werden dieses Projet energisch vorantreiben.

An Leonardos Seite werden Robin Leproux (Präsident) und Antoine Kombouaré (Trainer) weiterarbeiten. Doch Kombouarés Position ist alles andere als sicher, vor allem Carlo Ancelotti gilt als heißer Kandidat. Leproux hat sich mit Aussagen wie: ,,Egal was auch passieren wird, ich bleibe der Boss!“ ins verbale Abseits manövriert und riskiert eine Demontage.

Wie wird die Mannschaft aussehen?

Es scheint als setze der PSG vorwiegend auf französische Spieler setzen. Seine bisher einzigen Neuzugänge Douchez (Torwart) und Gameiro (Stürmer) sind alle beide begehrte Spieler gewesen. Gameiro sagte sogar dem FC Valencia ab um in seinem Lieblingsverein spielen zu können. Während Douchez ablösefrei aus Rennes kam, kostete Gameiro satte 11 Millionen Euro. Da Gameiro letzte Saison für Lorient 22 Tore und 3 Vorlagen zum Besten gab, rechtfertigt sich der Preis aber.

Viele Stars wurden schon in den Medien gehandelt, so z.B. Eto‘o, Berbatov, Hazard und zuletzt sogar Fronck Ribery. Das Gerücht Hazard ist wohl das realistischste, man hat den Nordfranzosen angeblich schon ein 40-Millionen-Angebot oder 30-Millionen-plus-Erding-Angebot unterbreitet. Hazard scheint auch nicht abgeneigt zu sein in die Hauptstadt zu wechseln, hier bahnt sich ein ganz großes Ding an.

Hazard auf links, Menez auf rechts? Nicht nur beim belgischen Jungstar, sondern auch beim Franzosen der Roma soll Leonardo schon angefragt haben. Würde man beide Spieler bekommen hätte man eine der stärksten Flügelzangen Europas!

Neben französisch-sprachigen Spielern soll/will Leonardo auch Brasilianer in den Prinzen-Park locken. Ganso (Santos) und Lucas (Sao Paulo), die brasilianischen Jungstars werden heiß gehandelt, doch es stellt sich die Frage ob die Investoren das Risiko mit jungen brasilianischen Spielern eingehen wollen. Das Beispiel Ronaldinho, der von 2001 bis 2003 die Pariser verzauberte, könnte Mut machen.

Perspektiven?

Wenn Leonardo es schafft mit den vorhandenen Mitteln eine schlagkräftige Mannschaft zusammenstellen kann, sollte man den PSG in den nächsten Jahren nicht nur national auf dem Zettel haben. Eine gute Mannschaft ist die eine Voraussetzung, Konstanz mit dem Trainer die andere. Meiner Meinung nach sollte man Kombouaré entweder sofort den Rücken stärken oder ihn so schnell wie möglich gegen Ancelotti austauschen.

In den kommenden Jahren werden die Katari nicht mehr viel investieren müssen, denn der PSG hat eine der besten Jugendabteilungen Frankreichs. Neuestes Juwel aus der Talentschmiede ist Mamadou Sakho, eines der größten Verteidigertalente Europas.

Meiner Meinung nach, wird Leonardo in diesem Transferfenster aus dem Vollen schöpfen und mehrere Topstars in die Stadt der Liebe locken. Hazard und Menez sind sehr wahrscheinlich, bei den Stürmern ist man mit Gameiro, Erding und Hoarau exzellent besetzt, im Tor ebenso, nur in der Abwehr könnte man noch Verstärkung gebrauchen. Allersdings halten sich hier die Gerüchte in Grenzen, weil man wohl zuerst die ganz großen Stars nach Paris locken möchte.

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This entry was posted on July 4, 2011 by in Ligue 1, Portrait and tagged , , , , , , , , , , , , , , .

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